Poly

Ich habe keine Angst vor dem Alleinsein.

Viel mehr Angst vor dem Verlassen werden.

Deshalb liebe ich dich und dich.

Natürlich sollte ich mich zu allererst lieben.

Es sind viele.

Du und Du und Ich.

Zu dritt, zu viert, zu fünft.

Es sind mehrere.

Ich habe keine Angst vor dem Mehrsein.

Ein zu viel an Gefühlen beunruhigt mich nicht.

Denn Liebe ist keine Ressource, die irgendwann zur Neige geht; ein Apfel abgebissen bis ins Kerngehäuse.

Sie vermehrt sich viel mehr, potenziert sich.

Deshalb liebe ich dich und dich und mich.

Und es werden noch mehr

Denn Vielsein ist ein Gefühl von Fülle, aus dem Vollen schöpfen, Vielseitigkeit spüren, Variation erleben.

Ich kann so viel mehr lernen.

Von dir und dir und mir.

In Vielem.

Angstfalle

Angestrebter Perfektionismus löst Glücksgefühle aus.

Scheinbar.

Eine Glücksfalle?

Ein Jetztzustand.

Nicht ewig während.

Nicht immer die gleichen Parameter ausschlaggebend.

Eine Angstfalle!

Angst, vor dem was kommt.

Lässt die Gedanken aus der Gegenwart in eine ungewisse Zukunft streifen.

Angst vor eingeschränkter Freiheit, neuen, erneuten Kämpfen, ein so-nicht-leben-wollen.

So aber auch nicht.

Wie dann?

Kann nur den Seinszustand genießen und auskosten mit der Ungewissheit über morgen.

Sorgenlos trotz Ängste.

Zur Hochzeit

Liebe ist, wenn du nicht aufhören kannst zu lächeln.

Liebe ist, wenn du immer wieder von Neuem neugierig aufeinander bist.

Liebe ist, wenn die positiven Gefühle dich beflügeln und kreativ werden lassen.

Liebe ist, wenn du das Leben in verschiedenen Farbtönen wahrnehmen kannst und nicht nur die Extremen.

Liebe ist, wenn du tiefer einatmen und länger die Luft anhalten kannst.

Liebe ist, wenn du dich mit Gelassenheit und Ruhe entspannt zurücklehnen kannst.

Liebe ist, wenn du mit dem andern mitfühlst, weil du mit ihm verbunden bist.

Liebe ist, wenn du dich erst als vollständig empfindest, wenn deine Gefühle sich widerspiegeln und du dich jeden Tag aufs Neue mit dir selbst konfrontieren kannst.

Liebe bedeutet Reflexion, Respekt und Reue in gleichermaßen.

Denn sie war, ist und wird immer Bestand haben.

Die Geschichte vom kleinen Elefanten

Es kam einmal ein Besucher an einen Ort, an dem ein riesiger Elefant an einen winzigen Holzpflock angebunden stand. Der Mann fragte den Wärter des Elefanten interessiert: „Wieso steht der Elefant so demütig an diesem kleinen Pflock? Er könnte den doch mühelos herausziehen und weglaufen.“ Der Wärter lächelte und sagte: „Ich habe ihn angebunden, als er noch ganz klein war. Was meinen Sie, wie er damals daran gezogen hat! Doch zu der Zeit war der Pflock stärker als er. Er hat aufgegeben und vergessen, wie groß und stark er inzwischen geworden ist.“

Aus: „Wer A sagt muss noch lange nicht B sagen“ von Eckhard Roediger

Der Verkäufer

Einmal kam ein Mann in ein Geschäft und verspürte ein merkwürdiges Ziehen in der unteren Bauchgegend. Zunächst ignorierte er das unangenehme Gefühl bis es sich so penetrant in den Vordergrund drängte, dass er dem gezwungenermaßen Aufmerksamkeit schenken musste. Der Mann fragte sich, ob es wohl einen Zusammenhang zwischen seinem Eintritt in den Laden und dem Bauchgefühl geben könnte. Also sah er sich die Verkaufsgegenstände in den Regalen etwas genauer an. Aber da war nichts Ungewöhnliches auszumachen. Reihen von Obst und Gemüse, Konserven, Kosmetik und kleinere Leckereien türmten sich in ordentlicher Art und Weise. Der Blick des Mannes schweifte weiter zur Kassentheke, hinter der ein Angestellter stand und Tätigkeiten verrichtete. Er bemerkte den traurigen Blick des Verkäufers. Eine verzweifelte aber unnahbare Atmosphäre ging von ihm aus. Im ruhigen und gleichmäßigen Tempo verrichtete der Ladenkassierer seine Arbeit jedoch nicht leicht, unbeschwert und freudig. DAS musste es sein. Die ausgehende Kühle der belastenden Seele mussten die Bauchbeschwerden des Kunden ausgelöst haben. Denn nicht die guten Dinge im Leben machen ein positives Erleben aus – es sind die Menschen.

Antirealismus

Es gibt Dinge nicht in der Weise, wie wir es vom gesunden Menschenverstand her meinen. Sie sind surreal und von uns konstruiert (siehe „Konstruktivismus“).

aus: Vorlesung zur Metaphysik von Paul Hoyningen

Empiristisches Sinnkriterium

Ein Ding kann von einem Wahrnehmenden nicht objektiv wahrgenommen werden. Es fließt immer seine Bewertung mit rein. Da die Anbindung an die Welt nur über Sinneswahrnehmung passieren kann, fehlt der Bezug zur empiristischen Wirklichkeit und somit haben die daraus resultierenden Sätze keinen Sinn.

aus: Vorlesung zur Metaphysik von Paul Hoyningen